Dec 16 2012

Hallo!

Mit Erstaunen habe ich vor kurzem auf einen YouTube-Link geklickt und festgestellt, dass das Video in Deutschland nicht gesperrt ist. Und das Video war klasse !

Und das kommt von Microsoft? Dem Konzern, den ich mir immer irgendwie in einem grauen Anzug vorgestellt hab, ein erzkonservativer Behemoth  in der IT-Branche, der so ziemlich jeden Trend verschläft?

Apple hat es ja mit seiner damaligen Werbung „I’m a Mac and I’m a PC“ auf den Punkt gebracht. Microsoft ist langweilig und nur etwas für Mitt-Vierziger!

Und plötzlich kommt Microsoft daher und macht, nach der ersten Wubwubwub IE10 Werbung so etwas. Sie nehmen sich selbst nicht ernst, sehen ein, dass sie viele Dinge verpasst oder einfach schlecht umgesetzt haben und bringen sogar etwas Internet-Popkultur in die Werbung! Würde ich in einer Sitcom leben, so hätte ich Kaffee gegen meinen Monitor gespuckt. So habe ich aber nur den Link auf Facebook gepostet und mich gefreut, dass Microsoft sich endlich mal um den IE kümmert und ihn vielleicht endlich zu einem schlanken, schicken und funktionierenden Browser umbaut.

TRES CHIQUE

Doch das ist nur der neueste Streich von Microsoft in seinem Bestreben, sein altes Image abzulegen und ein frischeres überzustreifen.

Windows Phone 8 ist, meiner Meinung nach, das vermutlich am besten auf Smartphones ausgelegte mobile OS auf dem Markt. Die Schaltflächen sind groß genug, dass man sie auch im Gehen gut trifft. Leuchtende Farben zeigen kein Anzeichen mehr vom Windows Mobile 6.x Grau-in-Grau und die Live-Kacheln waren jedenfalls beim Ausprobieren ein riesiger Blickfang.  Und vor allen Dingen: Microsoft eifert hier nicht nach. Sie machen etwas Neues. Natürlich hätten sie das Altbewährte übernehmen können und die UI von WP8 so aufziehen können wie Android und iOS. Aber sie haben sich für die Kacheln entschieden. Ein gewagter Schritt, aber auf jeden Fall einer in die richtige Richtung. Und ich kann es kaum erwarten zu sehen,  was in einem Jahr mit Windows Phone geschieht!

QUATRE CHIQUE

Ich habe eine Zeit lang Dropbox ausprobiert, ein Cloudspeicher, der in der kostenlosen Variante wenn ich mich recht entsinne 500 MB zur Verfügung stellte (mittlerweile sind es 2 GB). Dann kam Apple mit seiner iCloud, einem Cloudspeicher mit 5GB kostenlosem Platz auf den man selbst irgendwie nicht zugreifen kann, sondern Programmen/Betriebssystemen sagen muss, dass sie Dokumente etc. dort draufspeichern sollen. Vielleicht kann man ja drauf zugreifen, ich weiß aber ehrlich gesagt nicht wie hah! Und das ist nicht sehr schön. Ganz und gar nicht, Apple.

Und dann kam Microsoft mit seinem SkyDrive. Cloud, 7GB frei, Apps für Windows, Mac OS, iOS, Android und WP sowie Zugriff über den Browser. Als Login dient die Windows Live Adresse, die man vermutlich schon vom MSN-Konto hat. Damals, als noch nicht jeder über Facebook miteinander gechattet hat.

Mir gefällt SkyDrive ausgezeichnet, man hat schön viel Platz frei, die iOS App hält sich an die typische Apple-UI und ins Betriebssystem bindet es sich wie ein einfacher Ordner ein. Nur mit einem schicken Wolkensymbol.

Und von was wird SkyDrive genutzt? Dem neuen Office 2013. Noch kann man es sich hier (Link zum Download von Office 2013) kostenlos als Beta herunterladen und anschauen. Und ich hoffe, dass das meine Blogbots auch tun werden, denn Office 2013 ist eine absolute Wohltat.

Ich habe es bisher kaum genutzt, da ich gerade erst mal Office 2011 für Mac ausprobiere, welches mir auch gut gefällt. Aber ein paar Minütchen konnte ich schon mit dem neuen Windows-Office verbringen und bin hin und weg. Es hat eine ähnlich einfach gehaltene Oberfläche wie der Windows 8 Desktop, natürlich wieder meine geliebten Ribbon-Menüs und ein unzählige Features, die Otto-Normalverbraucher niemals zu Gesicht bekommen wird. Aber das wäre natürlich noch kein Grund für Jubel und Jauchzen.

Was mir an Office 2013 unheimlich gut gefällt ist die Online-Integration. Man wird beim Start von Office mit seinem Account eingeloggt und kann von dort aus auch Dinge direkt in die Cloud zu seinem SkyDrive hochladen. Sehr komfortabel und eine prima Möglichkeit, um zum Beispiel bei kleineren Projekten sicherzugehen, dass man alle Daten immer allen zur Verfügung stellt. Offline-Speicherung ist aber natürlich auch möglich, keine Sorge.

Und dann ist da noch das User Interface. Wie gesagt ist es in dem „schlanken “ Windows 8 Design gehalten. Hinzu kommt aber noch ein Detail, das einem im ersten Moment gar nicht so eindeutig auffällt. Man merkt, dass da etwas anders ist, aber man kann nicht genau sagen was.

Microsoft hat für nahezu jedes Ereignis in den Office-Programmen winzige Animationen eingebaut. So erscheinen Buchstaben bei Word nicht komplett sondern scheinen aus der Schreibmarke herauszufließen (knifflig zu erklären!) und beim Verschieben von Slides in Power Point verschieben sich die Slides wirklich und springen nicht einfach von einer Stelle zur nächsten. Es sind wirklich nur kleine Animationen, die aber das Arbeiten mit Office angenehmer gestalten.

Probiert es also aus! Es kostet schließlich nichts.

Fünf auf Französisch chiiiiique

Zu guter Letzt darf man natürlich nicht Windows 8 selbst vergessen. Und hier muss ich Microsoft schelten. Was sie vorhatten ist offensichtlich: ein OS, das gleichermaßen auf PCs, Notebooks und Tablets mit und ohne Touch-Funktion funktionieren soll und dabei die gleiche Arbeitsumgebung bietet. Soweit klingt es auch noch wirklich gut. Aber die Umsetzung ist phänomenal gescheitert. Die Metrooberfläche ist aufdringlich, ständig muss man hin und her wechseln zwischen Desktop und Metro, Metro-Apps sind andere Anwendungen als die vom Desktop und man muss sich ein 3rd-Party-Programm installieren, um das Startmenü wiederzukriegen und Metro einigermaßen wegzusperren.

Und auch im Tabletbereich hakt es. Auf x86-Hardware ist Windows 8 brillant. Im ARM-Bereich ist Windows 8 gar nicht mehr vorhanden, denn da gibt es plötzlich Windows RT, was aber genauso aussieht wie Windows 8 und auf den ersten Blick auch alles so macht wie sein großer Bruder. Ausgesprochen verwirrend und kundenunfreundlich.

Andererseits stellt Windows RT die einzige Möglichkeit dar, ein Windows-Tablet zu einem Preis zu kriegen der unter dem eines Ultrabooks liegt.

Aber wir kennen ja den Microsoft-Zyklus. Windows 9 wird wieder großartig.

Wenn es denn ein Windows 9 geben wird! „Gosh!“ ruft ihr aus, „Was meinst du denn damit?!“. Hm! Hmhmhmh! Es wird gemunkelt, dass irgendwann im nächsten Jahr Microsoft sein Geschäftsmodell für Windows umstellen wird von großen Releases für den Retail-Bereich auf kleinere, jährlich erscheinende Updates. Das alles heißt Windows Blue und wird vom Preis her vermutlich im Bereich der neueren Mac OS X Betriebssystem angesiedelt sein, also um die 20€.

Microsoft ist also kein Konzern mehr für Büroangestellte und Anzugträger, sondern versucht endlich auch attraktiv für die jüngere Bevölkerung zu werden. Und meiner Meinung nach sind sie da auf einem ausgezeichneten Wege.

Nur die Sache mit dem Zune. Microsoft. Die Sache mit dem Zune.

Das war uncool.

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